Hollywood Bowl


Okay. L.A. ist eine Showstadt. Zugegeben. Aber wer, ohne schon mal selbst dort gewesen zu sein, glaubt, dass es nicht zwingend laut sein muss? Dass nicht alles beherrscht sein muss von glamour & glitter? Heute nehmen wir Euch mit an einen Platz, den man einfach besucht haben muss, wenn man schon die lange Reise in Kauf nimmt, um den Facettenreichtum selbst zu erleben. Wie nah Mega-Metropole und Natur beisammen sein können. Und der Euch zeigt, dass ein Konzertbesuch derart entspannt ablaufen kann, wie man es in Deutschland, zumindest bei einer Pop- und Rockshow, eher weniger gewohnt sein dürfte.

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Quelle: Hollywood Bowl (www.instagram.com/hollywoodbowl)

Durch unser Berufsleben haben wir unzählige eintönige, bunte, kleine, riesige, langweilige und imposante Konzert-Locations besucht. Und deshalb laden wir Euch besonders gern ein, uns jetzt in eine der schönsten Konzertarenen, die wir bislang besuchen durften, zu folgen.

Unweit des beeindruckenden Planetariums Griffith Observatory, das wir Euch im Verlauf dieses Blog noch vorstellen werden, und in fast greifbarer Nähe des weltberühmten Wahrzeichen Los Angeles‘, dem Hollywood Sign, liegt ganz im Norden hoch über der Stadt die Hollywood Bowl. Dieses spektakuläre Veranstaltungszentrum, das in den Roaring Twenties nach griechischem Vorbild errichtet wurde, ist eine der größten und impressivsten Freilichtbühnen, die es weltweit gibt. 18.000 Besuchern wird hier direkt an der Bühne mit Stehplätzen, im Parkett in Logen und in vielen nach hinten immer steiler werdenden Rängen auf Bänken Platz geboten. Doch mal schön der Reihe nach…

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Unser letzter Konzertbesuch fand dort im Oktober statt. Für Freunde und Familie haben wir uns frühzeitig noch in Deutschland online Tickets für Alt-J, die an diesem Tag von San Fermin und Best Coast supportet wurden, besorgen können. Da wir sehr pünktlich an der Location ankamen, durften wir hervorragend parken. Die Parkkosten beliefen sich auf $20, was absolut okay ist, wenn man direkt am Gelände parken kann. Ansonsten bietet das weitläufige Areal zahlreiche sehr gut angelegte und gut ausgewiesene Parkplätze. In den anliegenden Strassen des Wohngebietes sollte man zwingend vermeiden zu parken. Hier wird natürlich rigoros und konsequent abgeschleppt. Wer mit dem Bus fahren will, findet auch hier sehr gut organisierte Shuttle aus der Stadt.

Noch hatten zu diesem Zeitpunkt nicht viele Besucher die Bowl aufgesucht, die Schleusen am Einlass waren noch alle ausnahmslos geschlossen. So hatten wir genügend Zeit, uns an den vorgelagerten Kiosken mit Getränken zu erfrischen und mit Snacks zu stärken. Ein Besuch des Shops bietet sich an, möchte man im Vorfeld schon die eine oder andere Erinnerung an die Hollywood Bowl ershoppen. In der als kleiner Park angelegten Fläche vor dem Einlass finden sich viele gemütliche Plätze, um sich unter einem der schattenspendenden Bäume seiner Vorfreude hinzugeben. Ganz langsam füllte sich der Vorplatz, die allgemeine Stimmung war entspannt. Nicht einmal ansatzweise  war Stress in Form von Geschubse und Gedrängel zu bemerken. Selbst dann, als die Schleusen öffneten und die Menschenmassen vollkommen relaxed das Konzertgelände betraten, war die Situation eindrucksvoll ruhig. Die Ordner machten kontinuierlich freundlich und professionell ihren Job, kontrollierten dabei souverän Tickets und Taschen.

Ganz gleich, wo wir in Los Angeles bereits ein Konzert besucht haben: Es fällt immer wieder auf, wie herausragend die Amerikaner hier ihren Job machen. Die Besucher-Schlangen werden sensationell flink kontrolliert, ohne auch nur einen Funken von Unsicherheit aufkommen zu lassen. Alle bleiben trotz des anstrengenden Jobs freundlich, hilfsbereit und absolut motiviert. Gelassen warten die Besucher, Umut haben wir beim Warten noch nie erlebt. Kalifornische Gelassenheit eben. Auch hier in der Hollywood Bowl bekamen wir nach Vorlage unserer Ausweise ein Bändchen, das uns dazu berechtigt, alkoholische Getränke zu kaufen, ohne immer wieder den Ausweis hervorzeigen zu müssen. Nirgendwo entstanden riesige Schlangen, alles war im Fluss und – gerade im Vergleich zu Konzerten in Europa – lief vorbildlich ohne langes Warten ab.

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Quelle: Hollywood Bowl (www.instagram.com/hollywoodbowl)

Nachdem wir uns ausreichend mit weiteren Getränken versorgt hatten, begaben wir uns auf die Suche nach unseren Plätzen. Immer wieder wurde uns dabei vom Personal Hilfe angeboten. Unsere Reihe befand sich mittig am Anfang des letzten, hinteren Drittels oben in den Rängen. Es dämmerte bereits, und so führte uns unser Weg einen waldähnlichen und schön aber nicht grell ausgeleuchten Pfad entlang zahlreicher Nadelbäume. Es kam an dieser Stelle fast das Gefühl auf, als durchschreite man einen Wald. Alles ist auf dem Gelände sehr natürlich wie nachhaltig und barrierefrei angelegt. Rollstuhlfahrer werden hier wenig Probleme haben, großartige Konzerterlebnisse in Erinnerung zu behalten. Oben angekommen eröffnete sich ein atemberaubender Blick in die Arena. Es verschlägt einem nahezu die Sprache, macht man sich mehr und mehr mit der imposanten Kulisse vertraut. Hinter der riesigen von einer wunderschönen Kuppel überdachten Bühne erstrecken sich weitläufig die Berge der Hollywood Hills. Im Hintergrund bekommt man Blick auf das große Hollywood Sign, das hoch über der Stadt zu thronen scheint und erst in diesem Augenblick wieder in Bewusstsein ruft, wo man eigentlich befindet.

Um allen Besuchern einen wirklich guten Blick auf die Bühne zu ermöglichen, spenden vier riesige LED-Wände jeweils links und rechts der Bühne eine phantastische Aussicht auf das Konzert, das kaum ein Detail verpassen lässt. Nach und nach füllten sich nun auch die Ränge mit einer Gelassenheit und Ruhe, die der Arena geradezu würdig erscheint. Bemerkenswert hier ist, dass es ausdrücklich gestattet ist, sich selbst zu verpflegen. Und so bringen viele Gäste prall gefüllte Picknickkörbe mit, um es sich hier so richtig gut gehen zu lassen. Erlaubt ist, was lecker ist. Nur Glasflaschen müssen draussen bleiben, ebenso alkoholische Getränke. Großartig, wie wir denken. Wie schön wäre es, wenn es in Deutschland eine ebenso lässige Auslegung von Konzertkultur geben würde. Natürlich haben auch hier Getränke und Speisen ihren Preis. Wenn man aber bedenkt, dass der Becher Rotwein so sehr befüllt wird, dass man ihn abtrinken muss, will man nicht kleckern, so erscheint hier an keiner Stelle das Gefühl, abgezockt zu werden.

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Quelle: Hollywood Bowl (www.instagram.com/hollywoodbowl)

Wir können einen Besuch der Bowl nicht nur empfehlen. Wir raten ausdrücklich dazu. Wie wäre es zum Beispiel mit einem Besuch eines klassischen Konzertes der berühmten Los Angeles Philamonics in der Picknick Season? Bringt Euch Eure Sandwiches oder Wraps selbst mit. Leiht Euch ein bequemes Sitzkisssen, die an den Eingängen ausgegeben werden und macht es Euch an einem schönen Nachmittag oder Abend richtig bequem. Atmet die gute Luft und saugt die prickelnde Atmosphäre auf, die bei vielen Veranstaltungen sogar kostenlos ermöglicht wird. Wir haben das Gelände jedenfalls zu lieben gelernt und können den nächsten Besuch kaum abwarten.

Übrigens: Das Team der Hollywood Bowl sucht in Form von Volunteer-Programmen immer wieder neue Mitarbeiter, die die Bowl-Family verstärkt. Alle Informationen dazu und zu einer unserer allerliebsten Show-Bühnen findet Ihr auf www.hollywoodbowl.com.

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